Dresdner Totentanz - Ausstellung + Musik + Tanz + Theater
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Der Dresdner Totentanz - Überlegungen zu seiner Herkunft und Idee
Dr. Arndt Kiesewetter, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Dresden

Der "Dresdner Totentanz" zählt zu den größten und bedeutendsten Totentanzdarstellungen in Deutschland. Zugleich ist das über 12 m lange Sandsteinrelief eine der wenigen plastischen Darstellungen dieses Themas.
Urspünglich befand sich das einst farbig gefaßte Relief an der Außenfassade des unter Herzog Georg dem Bärtigen errichteten Schloßgebäudes, dem sogenannten "Georgentor". Er war Teil eines anspruchsvollen Bildprogrammes, mit dem der Herzog - als entschiedener Gegner Luthers - eine weithin sichtbare theologische Erwiderung auf die protestantische Bildformel von menschlicher Sünde und Erlösung schaffen ließ. Der Totentanz gehört zu den wenig erhaltenen Teilen dieses umfangreichen Bildprogramms. Mit seinen 27 Figuren - darunter der Auftraggeber Herzog Georg selbst sowie der Kaiser Karl V. und König Ferdinand - nahm der Totentanz stets eine Sonderstellung ein und genoß in Dresden eine besondere Popularität.
Bisher ungeklärt ist die Frage nach dem "geistigen Vater" des Bildprogramms der Fassaden des Georgenbaues im allgemeinen und des Totentanzes im besonderen. Der Dresdner Totentanz zählt zu den seltenen Darstellungen des Gruppentotentanzes, bei dem nicht die Toten mit den Sterbenden im paarweisen Dialog auftreten, sondern die Standesvertreter im langen Reigen dem voranschreitenden Tod folgen. Neuere Forschungen zeigen, daß die Art der Darstellung eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema insbesondere die Kenntnis eines sehr frühen Totentanzmonolog-Textes voraussetzt.
Zweifellos hat sich Herzog Georg bei dem Bildprogramm an seinem Schloß beraten lassen. Zunächst kommt hierfür sein hochgebildeter theologischer Berater Cochlaeus in Frage. Bisher wenig Beachtung fanden aber die Beziehungen des Herzogs zu Erasmus von Rotterdam. Der sächsische Fürst stand mit dem Gelehrten aus Basel in engem Briefkontakt zu theologischen Fragen. Darüber hinaus schickte er seinen späteren Berater, den jungen Christoph von Carlowitz für mehrere Jahre zum Studium nach Basel. Es ist zu vermuten, daß Erasmus von Rotterdam auf das Bildprogramm und insbesondere auf das Totentanzmotiv einen entscheidenen Einfluß ausübte. In Basel war durch die Existenz von zwei großen Totentanzgemälden die Gedankenwelt des Totentanzes so populär wie in keiner anderen Stadt. Hier entstanden 1525 auch die berühmten Totentanzblätter von Hans Holbein d. J., der im übrigen intensive persönliche Beziehungen zu Erasmus pflegte.
Es liegt auf der Hand, daß sich Erasmus von Rotterdam mit dem Totentanzthema auseinander gesetzt hat und in seiner bekannten Gründlichkeit geisteswissenschaftlicher Studien auch auf frühe lateinische Totentanztexte gestoßen ist. Auch wenn der konkrete Beweis vorerst schuldig bleibt, liegt die Vermutung nahe, daß der Dresdner Totentanz auf einen solchen frühen Monologtext mit heute verschollenen Bildvorlagen zurückgeht, die über die Vermittlung des Erasmus von Rotterdam, vielleich auch durch Christoph von Carlowitz oder Cochlaeus nach Dresden gelangten und den Herzog bei seiner Entscheidung für die bildkünstlerische Umsetzung an seinem neuen Schloß beeinflußten.

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