Dresdner Totentanz - Ausstellung + Musik + Tanz + Theater
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Herbert Collum (1914-1982) TOTENTANZ 1944/45
Variationen über ein altes Volkslied „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod"
(Ausschnitte)


Choreographie: Friederike Rademann
Orgel: Hans-Dieter Schöne

Schnitter Tod
Es ist ein Schnitter, heißt der Tod
hat Gewalt vom höchsten Gott;
heut wetzt er das Messer, es schneid`t schon viel besser,
bald wird er drein schneiden, wir müssen`s erleiden -
Hüt dich, schönes Blümelein!

Was heut noch grün und frisch dasteht,
wird morgen schon hinweggemäht:
die edlen Narzissen, die Zierden der Wiesen,
die Schön` Hyazinthen, die türkischen Binden -
Hüt dich, schönes Blümelein!

Das himmelfarbene Ehrenpreis,
die Tulpianen weiß,
die silbernen Glocken, die goldenen Flocken,
sinkt alles zur Erden, was wird daraus werden?
Hüt dich, schönes Blümelein!

Trotz, Tod! Komm her, ich fürcht` dich nit,
trotz, eil daher in einem Schritt!
werd` ich auch verletzet, so wird` ich versetzet
in` himmlischen Garten, auf den wir all warten.
Freu dich, schönes Blümelein!


Herbert Collum wirkte über vier Jahrzehnte in Dresden als Kreuzorganist. Collums Orgelspiel versetzte seine große Zuhörerschaft durch die Expansionskraft seines Musikantentums in Erstaunen. Er komponierte und interpretierte. Er war als Professor für Cembalospiel an der Dresdner Hochschule für Musik geschätzt.
Viele seiner Kompositionen sind von tiefem Ernst getragen. Der TOTENTANZ für Orgel ist unter dem Eindruck der Zerstörung Dresdens entstanden. So wie der maler Otto Dix die Bilder des Todes und der Vernichtung malte, so hat sie Collum in seinen erschütternden und mahnenden Orgelzyklus dargestellt - schonungslos und hart. In allen Variationen erklingt die alte Weise von 1638 „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod" in einer kunstvollen cantus.firmus-Technik verarbeitet. In jeder Variation steht der Gevatter Tod mit einem gewandelten Gesicht da, einmal sanft wiegend, einmal ganz brutal. Mit einer unerbittlichen Intensität, mit Brisanz oder nachdenklicher Poesie wird eine Veränderung an die andere gereiht. In der Passacaglia-Fuge am Schluß erscheint das Hauptmotiv vom Schnitter Tod in hartnäckiger Gestik im Pedal. Darüber wölbt sich das Fugenthema. Das Bild verdichtet sich zu einer niederschmetternden Kraft. Der berstende Schluß der Fuge mündet befreiend in das alte Volkslied, gleichsam eine sinnliche Betrachtung über die letzte Strophe: „Trutz, Tod! Komm her! Ich fürcht dich nit!".

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